Haus ohne Dach – Beitrag zum kurdischen Kino

Der Andrang zu Soleen Yusefs erstem Langfilm Haus ohne Dach, mit dem sie ihre Ausbildung an der Filmakademie Baden Württemberg abschloss und der letztes Jahr den First Steps Award erhielt, war bei beiden Vorstellungen während des Festivals besonders groß.
Haus ohne Dach erzählt die Geschichte dreier ungleicher Geschwister, alle drei im kurdischen Teil des Iraks geboren und in Deutschland aufgewachsen. Als ihre Mutter stirbt, machen sich Liga, Jan und Alan auf den Weg zu ihrer Großfamilie, und schließlich auf eine Reise quer durch ihr Heimatland um den letzten Wunsch ihrer Mutter zu erfüllen. Je länger die Reise, desto offensichtlicher werden die Schwierigkeiten, Geheimnisse und Unterschiede.
Soleen Yusef wurde von dreien ihrer Hauptdarsteller zur Vorführung begleitet, Mina Sadic in der Rolle der Liya, Sasun Sayan, der Jan spielt, und Yusefs eigener Mutter, die auch im Film die Mutter der drei Geschwister spielt. Die Regisseurin erklärte ausführlich den Castingprozess: die Schwierigkeit, eine Familie zu casten, die als solche funktioniert und auf verschiedenen Ebenen Ähnlichkeiten hat. Mit den Schauspielern probierte die Regisseurin daher verschiedene Konstellationen aus, bis sie ihre Hauptdarsteller gefunden hatte. Diese mussten außerdem noch zweisprachig spielen können, auf Deutsch und auf Kurdisch. Für ihre Rollen haben Murat Seven und Mina Said daher Kurdisch gelernt, ein Zeichen für ihr großes Engagement in diesem Film.
Als Beitrag zum kurdischen Kino ist Haus ohne Dach die Geschichte einer Familie, die geflohen ist, ihre Wurzeln jedoch nie vergessen hat und diesen Ort weiterhin im Herzen trägt. Kurdistan wird, so Soleen Yusuf, im Laufe des Films zu einem Charakter, die drei Geschwister zu Beispielen für diese Region. Während des Drehs hatte der Film noch ein hoffnungsvolleres Ende, doch als 2014 Mossul eingenommen wurde, passte die Regisseurin das Drehbuch der Realität an und erzählte von ihren persönlichen Erlebnissen zu dieser Zeit.
Der Filmtitel spielt auf die Häuser in dieser Region an, die mehr Terrassen gleichen, und daher ‚ohne Dach‘ sind – dadurch auch ohne Sicherheit.