9. ALFILM – Happily Ever After

© Katja Volkenant

Happily Ever After ist ein intimes Porträt der beiden Ägypter Nada und Ayman. Der Dokumentarfilm erlaubt durch die oftmals in den Hintergrund geratene Kamera ungewöhnlich tiefe und ehrliche Einblicke in die Beziehung der beiden. Gedreht wurde der Film während der Revolution in Ägypten und den darauffolgenden Ereignissen, wobei auch Nadas Beziehung zu ihren Eltern und ihre divergierenden politischen Ansichten thematisiert werden.

Nada und Ayman waren beide zur Vorführung des Films anwesend. Nada erzählte, dass die Idee des Filmes aufgekommen sei, als sie die Beziehung mit Ayman eigentlich beenden habe wollen. Der Film habe ein Versuch werden sollen, mit Ayman über ihre Beziehung sprechen. Als die beiden angefangen hätten, den Film zu drehen, hätten sie gemeinsam eruiert, was die Auslöser der Konflikte in ihrer Beziehung hätten sein können. Interessanterweise hätten beide relativ schnell festgestellt, dass es auch und vor allem die angespannte politische Situation in Ägypten und deren Einfluss auf das Leben der beiden war, die die Beziehung belastet habe.

 

© Christina Homburg

Auch im Film diskutiert wurde der Topos der Distanz in Form von physischer, emotionaler und geographischer Distanz. Exemplifiziert werden kann dies an Szenen, in denen Nadja die aktuelle politische Einstellung ihrer Eltern mit deren politischen Aktivismus in den 1970er Jahren kontrastiert. Es sei schwierig für die Eltern gewesen, den Film anzusehen, da Nadas politische Einstellung im Film sehr deutlich erkennbar wird. Trotz der im Film evidenten Kommunikationsprobleme hätten sie und ihre Eltern sich nach etwas Zeit und Reflexion wieder angenähert.

© Christina Homburg

Eine Zuschauerin fragte die beiden Regisseure nach der Schuld, die die beiden durch das Verlassen ihres Heimatlandes erfüllen könnte. Beide negieren diese Schuldfrage allerdings – Ayman erklärt, dass er sowieso nie beabsichtigt habe, langfristig in Ägypten zu leben. Er habe sich während der politischen Unruhen insbesondere auf seinen Universitätsabschluss konzentriert, der ihm zu diesem Zeitpunkt perspektivisch wichtiger gewesen sei. Er habe sich schlecht gefühlt, Ägypten genau zur Zeit der Revolution zu verlassen, jedoch habe er Prioritäten setzten müssen um den Film, den er eben jetzt präsentiert, vollenden zu können. Nada fügte hinzu, dass der Film eigentlich keinen Schulddiskurs habe eröffnen wollen. Vielmehr hätten persönliche Probleme und Herausforderungen akzentuiert werden sollen, vor denen Menschen stehen, wenn sie die Entscheidung treffen, ihr Heimatland zu verlassen.

Ein weiterer Zuschauer fragte die beiden, wie es mit ihrer Beziehung nun stehe? Ayman und Nada seien, so die beiden, mittlerweile sogar verheiratet und hätten mithilfe des Filmes neue Möglichkeiten gefunden, mit Problemen in ihrer Beziehung umzugehen.

Schließlich weist eine Person darauf hin, dass der Film auch Fehler diskutiere, die von der Generation Nadas und Aymans während der Revolution begangen wurden. Was genau waren diese Fehler? Ayman erzählt, dass einige Menschen während und nach der Revolution extrem überheblich und schließlich genauso undemokratisch wie die Leute, gegen die sie eigentlich demonstrierten, geworden seien. Nada ergänzte, dass es schwierig gewesen sei, all die Herausforderungen einer Revolution zu antizipieren, wenn man jedwede Erfahrung politischer Partizipation erst kennenlernen muss.

 

© Christina Homburg