9. ALFILM – Shorts Programm 3 – (De)constructed Realities

© Christina Homburg

Das Kurzfilmprogramm (De)constructed Realities zeigte verschiedene Co-Produktionen libanesischer und deutscher Regisseure. Die Robert Bosch Stiftung vergibt jedes Jahr Preise und organisiert verschiedene Veranstaltungen, um diese Kollaborationen zu unterstützen. Zwei Filme des Kurzfilmprogramms waren ehemalige Gewinner des Preises der Robert Bosch Stiftung – The Last Days of the Man of Tomorrow und Tshweesh.

The Last Days of the Man of Tomorrow handelt von einem gigantischen Roboter, der dem libanesischen Volk von Charles de Gaulle vorgestellt wird, offenbar als Erinnerung an deren Unabhängigkeit. Der Roboter, genannt „le nouvelle homme“ – der neue Mann – ist allseits beliebt, doch nimmt die Geschichte des Roboters, der mit seiner Vergangenheit kämpft, schon bald eine tragische Wende.

© Christina Homburg                                                                                                                               

Eine Person aus dem Publikum fragte, wie es zu der Idee des Roboters gekommen und wie er letztlich im Film gelandet sei. Der Regisseur erzählte, dass das Skript ursprünglich für einen Komik geschrieben worden sei. Sie hätten aber niemals erträumt, dass dieser Roboter Teil eines Filmes hätte werden können. Damals hätten sie noch gedacht, dass der Roboter hätte Computer animiert werden müssen. Letzteres sei sogar getestet worden, aber habe nicht den Vorstellungen entsprechend funktioniert. Daraufhin hätten sie einen Experten für Special Effects aus Deutschland getroffen, der begeistert von dem Projekt gewesen sei und seine Hilfe sofort angeboten habe. Schon bald habe es dann die Möglichkeit gegeben, den Roboter mit in die Stadt zu nehmen und die Reaktionen der Menschen zu beobachten – außerdem habe der „reale“ Roboter dem Filmteam die Möglichkeit gegeben, mit vertrauten Filmtechniken zu arbeiten.

Eine weitere Frage versuchte die ursprüngliche Idee, einen Roboter und die Geschichte des Libanons zu verbinden, zu ergründen. Der Regisseur schilderte, dass sein Roboter von japanischen Anime Robotern inspiriert sei, die im Libanon relativ populär seien. Obwohl er Science Fiction liebe, hänge dieses Gerne, so der Regisseur, doch eng mit westlichen Werten und Werten der Industrialisierung zusammen. Der Roboter spreche eigentlich französisch, doch nachdem ihm Kaffee übergeschüttet wird, fängt er schon bald an, arabisch zu sprechen. Dies sei eine typisch libanesische Erfahrung, Dinge einfach selbst laienhaft zu reparieren, anstatt Experten zu konsultieren.

Tshweesh ist ein surrealer und ungewöhnlicher Film, dessen Protagonistin die Hauptstadt des Libanons, Beirut ist. Tshweesh blickt von oben auf die Stadt herab – Hochhäuser, Dächer, Stromkabel, Wäscheleinen und alte TV-Schüsseln prägen die Szenerie des Filmes. Gleichzeitig läuft im Fernsehen die Fußballweltmeisterschaft, doch scheint der Empfang durch eine unbekannte Störung unterbrochen zu sein. Kurz darauf wird die Stadt von Luftangriffen erschüttert, Bewohner fliehen in ihre Häuser. Tshweesh sei, so Regisseurin Feyrouz Serhal, ein onomatopoetisches Wort, dass Störung bedeute. Der Film blicke dabei auf verschiedene Störungen, ob in Form der Fernsehstörung oder der Störung durch Bomben. Die Situationen in den Filmen beruhten auf persönlichen Erfahrungen, die die Produzenten in Beirut in den 1980er Jahren und 2006 durchlebten. Auch die Zusammenarbeit mit einer deutschen Crew sei problemlos von statten gegangen, da die sie Beirut bereits sehr gut gekannt hätten.

 

© Christina Homburg

The Street of Death erzählt die Geschichte einer Straße an der Küste Beiruts, an der viele junge Menschen verweilen, Motorrad fahren und oft Hahnenkämpfe austragen. Der Erzähler zeichnet im Film das Aufwachsen und seine persönlichen Erfahrungen an der besagten Straße. Ob die erzählten Geschichten reine Fiktion sind oder doch den Tatsachen entsprechen, lässt sich nur schwer feststellen. Der Film ist teilweise als Dokumentarfilm konzipiert, teilweise eine Autobiographie einer unbekannten Person, die dort aufwuchs. Der Regisseur erzählt, dass der Dreh ein relativ langwieriger Prozess gewesen sei – so habe er beispielsweise ganze zwei Wochen von einem Punkt aus das Geschehen auf der Straße gefilmt.

© Christina Homburg