ALFILM – 9. Arabisches Filmfestival Berlin

11. – 18. April 2018

Kino Arsenal, fsk, City Kino Wedding, Kino Wolf

  • Erste Filme der OFFICIAL SELECTION
  • SPOTLIGHT: Reflections on Arab Masculinities

Berlin, 12. März 2018 – ALFILM bietet in seiner 9. Ausgabe mit aktuellen Spiel- und Dokumentarfilmen in der OFFICIAL SELECTION erneut Einblicke in das Kino der arabischen Welt und der arabischen Diaspora – darunter Festivallieblinge, Deutschlandpremieren und aufregende Newcomer.

Die Nebenreihe SPOTLIGHT, die sich jährlich mit der RETROSPEKTIVE abwechselt, hat dieses Jahr das Thema „Reflections on Arab Masculinities“. Sie beschäftigt sich mit den sich wandelnden Konzepten und Fragestellungen von Männlichkeit im arabischen Film der 1970er bis heute. Eine Podiumsdiskussion sowie ein audiovisueller Vortrag bieten dazu vertiefte Einblicke in Thema und Filmgeschichte.

Die SPOTLIGHT-Reihe wird gefördert von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

 

OFFICIAL SELECTION – erste Highlights

 

Eröffnet wird das 9. ALFILM mit BEAUTY AND THE DOGS (Kaouther Ben Hania, Frankreich/ Tunesien/ Schweden/ Norwegen/ Libanon/ Schweiz/ Katar 2017). Mariam (Mariam Al Ferjani) feiert mit ihren Freunden auf einer Party, wo sie Youssef kennenlernt, mit dem sie die Feier verlässt. Es folgt eine Tour de force für die junge Frau, die um ihre Rechte und Würde kämpfen muss. Nach einer wahren Geschichte zeichnet der Film ein atmosphärisches Bild des nachrevolutionären Tunesiens, in dem die alten Machtstrukturen längst noch nicht überwunden sind, und Mariams Kampf zu einer weiblichen Selbstbehauptung gegen das System wird. Der Film wurde auf dem Filmfestival in Cannes 2017 uraufgeführt.

In Anwesenheit der Hauptdarstellerin, in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung

 

WAJIB (Annemarie Jacir, Palästina/ Frankreich/ Kolumbien/ Deutschland/ VAE/ Katar/ Norwegen 2017) Wajib – eine Verpflichtung – ist es, die Shadi (Saleh Bakri) aus Rom zurück in seine Heimat Nazareth führt. Dort steht die Heirat seiner Schwester Amal an, und Shadi muss gemäß der Tradition an der Seite seines Vaters Abu Shadi die Hochzeits-einladungen allen Gästen überreichen. En route brechen dabei alte persönliche und politische Konflikte zwischen beiden Männern auf. Humorvoll werden dabei die Eigenheiten dieses christlichen Milieus beleuchtet, wo über Familiengeheimnisse genauso gern geschwiegen wird wie über Politisches.

 

In MEIN PARADIES (Ekrem Heydo, Deutschland/Kurdistan-Syrien 2016) führt ein altes Klassenfoto Regisseur Heydo 25 Jahre später zurück in seine Heimat Serê Kaniyê (Ras el-Ain) im kurdischen Teil Nordsyriens. Das Foto bildet die multiethnische Gesellschaft aus Arabern, Kurden, Tschetschenen und Armeniern ab, die seit dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs in unterschiedliche ethnische und konfessionelle Lager gespalten ist. Nicht alle seine Klassenkameraden findet Ekrem Heydo wieder. Die Reise in die Vergangenheit wird zu einer Suche nach den Grundlagen des Zusammenlebens in einer politisch instabilen Region. In Anwesenheit des Regisseurs

 

Mit 17 (Widad Shafakoj, Jordanien 2017) präsentiert ALFILM eine Dokumentation, die das jordanische U-17 Frauenfußballteam während der Vorbereitung zur FIFA U-17 Frauenweltmeisterschaft in Jordanien 2016 begleitet. Die Spielerinnen mit unterschied-lichen sozialen und sportlichen Hintergründen stellen sich einer großen Herausforderung: Sie werden auf die weltbesten Teams ihrer Klasse treffen. Der Film ist eine sensible Hommage an die Willenskraft, die diese Mädchen in einem traditionellen Land für einen Sport aufbringen, der noch immer eine Männerdomäne ist.

 

SPOTLIGHT

Das diesjährige SPOTLIGHT wird eröffnet mit dem libanesischen Film ROOM FOR A MAN (Anthony Chidiac, Libanon/USA 2017). Aus einem barock dekorierten Zimmer richtet sich eine Kamera auf die Außenwelt. Sie wird zum Mittler und Komplizen des Filmemachers in dieser autobiographischen Exploration der Konzepte von Männlichkeit und Zugehörigkeit. Zwischen einer dominanten Mutter, einem abwesenden Vater und den syrischen Bau-arbeitern, die Anthonys Jugendzimmer renovieren, beginnt die Rekonstruktion einer queeren Identität zwischen Argentinien und dem Libanon. In Anwesenheit des Regisseurs

 

Einen Klassiker des arabischen Kinosstellt OMAR GATLATO (Merzak Allouache, Algerien 1976) dar. Männlichkeit und Machismo sind zentrale Elemente im Leben von Omar, der mit seiner Großfamilie in einem Apartment in Algier lebt. Großmäulig durchstreift er mit seinen Freunden die Straßen der Stadt und erlebt im Kino die Romantik-Phantasien des Bollywood-Films, doch seine wahre Leidenschaft ist die Musik. Echte Begegnungen mit dem anderen Geschlecht verunsichern ihn, bis ihn eines Tages die Stimme der geheimnisvollen Selma auf einer gebrauchten Kassette in den Bann schlägt. In Anwesenheit des Regisseurs

 

In dem Doublefeature MAJNOUNAK und CINEMA FOUAD stehen männliche Sexualität und Transsexualität im Mittelpunkt: In MAJNOUNAK: On Men, Sex and the City (Akram Zaatari, Libanon 1997/2016) bittet der Filmemacher 1997 verschiedene Männer entlang der Küste Beiruts, von einem spezifischen sexuellen Erlebnis ausführlich zu berichten. Die so entstandenen Portraits wurden 2016 neu arrangiert und technisch überarbeitet. CINEMA FOUAD (Mohammed Soueid, Libanon 1994) ist ein intimes Portrait des syrischen Transsexuellen Khaled El Kurdi, das einen Bogen von Alltagsszenen hin zu El Kurdis Arbeit als Tänzer in einem Beiruter Nachtclub und seiner Beteiligung als Kämpfer im libanesischen Bürgerkrieg schlägt.

 

Vortrag von Rasha Salti zum SPOTLIGHT „Reflections on Arab Masculinities“. Rasha Salti lebt als Kuratorin und Autorin zwischen Berlin und Beirut. Sie kuratierte internationale Ausstellungen und Filmreihen zu verschiedenen arabischen Kinematographien und Kunstrichtungen, und ist derzeit Redakteurin des Dokumentarfilmformats „La Lucarne“ bei Arte.

 

Podiumsdiskussion zum SPOTLIGHT „Reflections on Arab Masculinities. Gespräch mit den Filmgästen Merzak Allouache, Mohammad Hammad, Mohamed Soueid und Eliane Raheb

 

Die Spotlight Reihe wurde kuratiert von Claudia Jubeh.

 

Weitere Highlights:
Neben einem Special „70 Jahre Nakba“ mit einem Vortrag von Regisseur und Produzent Mohanad Yaqubi sowie Filmen von Mustafa Abu Ali, Mohamad Malas und Kamal Aljafari wird es drei verschiedene Kurzfilmreihen geben.