Podiumsdiskussion „Of Men, Gender and Cinema – A Filmmaker’s Gaze“

Nach einem Vortrag zur Darstellung von Männlichkeit im arabischen Kino, hatten nun Regisseurin Eliane Raheb und die Regisseure Mohamed Soueid, Mohamed Hammad und Merzak Allouache die Gelegenheit, die Bilder von Männlichkeit in ihren Filmen gemeinsam zu diskutieren. Programmleiterin Claudia Jubeh leitete in die Podiumsdiskussion ein und betonte, dass es in der Konzeption des Spotlight Programmes zu Reflections on Arab Masculinities nicht um die gängigen Motive gegangen sei, die oftmals mit Migration und Geschlechterungleichheit zusammenhingen. Vielmehr habe ALFILM hinter die üblichen Stereotype blicken wollen und nach individuellen Geschichten von Männlichkeit gesucht.

 

© Carman Ho

 

Eine erste Frage richtete sich an Cinema Fouad Regisseur Mohamed Soueid im Bezug auf Zensur im Libanon. Soueids Film sei zunächst für das staatliche Fernsehen produziert worden, wobei dieses den Film verboten habe. Der Film ermutige junge Menschen zu Homosexualität, was im Libanon immer noch verboten sei und mit bis zu drei Jahren Gefängnis geahndet werden könne. Die Zensur sei ein täglicher Wegbegleiter als Regisseur im Libanon, die viel Macht habe und Druck auf Kunstschaffende ausübe. Trotzdem habe es Soueid geschafft, den Film, getarnt als Seifenoper, außer Landes zu schaffen und schließlich dort zu zeigen. Zu der Protagonistin des Filmes habe Soueid leider keinen Kontakt mehr. Er habe zwar, über Prostitution bis hin zu Gefängnis, viele Gerüchte gehört, wolle aber keines so wirklich glauben.

Merzak Allouache berichtete daraufhin von seiner Vision des Omars in Omar Gatlato und in Madame Courage. Die Protagonisten beider Filme nennen sich Omar, aber sind Teil völlig verschiedener Generationen. Allouache sagte, dass er gewiss kein Soziologe sei und es ihm bei Omar Gatlato nicht vorrangig darum gegangen sei, einen Film über Maskulinität zu drehen. Er habe eigentlich schlicht einen Film über das Leben eines einfachen, jungen Mannes in seiner Nachbarschaft in Algiers drehen wollen. Er habe sich für einen Mann als Protagonisten entschieden, weil er das Leben als Mann und die darin implizierten Herausforderungen in Algerien kenne. Welche Schlüsse schließlich aus diesem Film gezogen werden, könne er nicht beeinflussen. Das sei die Arbeit und Aufgabe von Journalisten und des Publikums. Zwischen Omar Gatlato und Madame Courage lägen, so Allouache, 24 Filme. Viel Zeit um an Omar Gatlato zu denken, sei also nicht geblieben. Er betonte aber den Generationsunterschied der beiden Omars und, dass Omar Gatlato im Unterschied zu Omar in Madame Courage eher komödiantisch wahrgenommen worden sei.

Mohamed Hammad antwortete ähnlich wie Allouache auf die Frage, ob er sich bewusst für das Thema Geschlecht in seinem Film entschieden habe. Er habe in seinem Film Withered Green vornehmlich Themen wie Zeit oder der Einfluss von Religion diskutieren wollen, nicht aber Geschlecht. Dennoch spiele das Thema Geschlecht eine Rolle. Beispielsweise sei alles in Ägypten mit einem Mann verbunden, ob in der Religion in Form eines männlichen Gottes und Propheten oder durch sämtliche männliche politische Führer. Hammad stelle sich deshalb die Frage, ob man nicht eher in Menschlichkeit glauben solle, als an eine Religion oder eine Partei.

Eliane Rahebs Dokumentarfilme porträtierten häufig Maskulinität im Bezug zu Krieg. Ein häufiges Motiv sei der heldenhafte Kämpfer, der später allerdings als gefallener Held vor vielen Problemen stehe. Wie sucht Raheb nun die Männer für ihre Filme aus? Rahebt sagte, es gehe ihr nicht wirklich darum ob sie einen Mann oder eine Frau für ihre Filme auswähle. Es käme ihr viel mehr auf die individuelle Geschichte des Menschen an. Viele Männer hätten allerdings ihre Einstellungen hinsichtlich verschiedener in den Interviews befragter Themen geändert, nachdem sie sich auf einem Bildschirm gesehen hätten. Somit könnten Dokumentarfilme, so Raheb, auch einen positiven Effekt auf Einstellungen, beispielsweise zu Geschlecht, haben. Sie interessiere sich insbesondere, wie ihr zweiter Film Sleeples Nights zeige, für den Zusammenhang von Waffen und Männlichkeit. Eine andere, weniger brachiale Form von Männlichkeit zeige der Protagonist Haykal in Those Who Remain. Raheb akzentuierte, dass sich Männlichkeit bei Haykal anders manifestiere, nämlich durch Landarbeit oder den Bau eines Hauses und nicht durch Waffengewalt. Genau das habe sie fasziniert. In einem neuen Projekt wolle sie sich nun dem Thema der sexuellen Identität widmen. Sie fände es traurig, dass Homosexualität im Libanon immer noch verpönt sei. Komisch empfinde sie, dass die Homosexualität von Touristen völlig akzeptiert sei, Araber aber könnten nicht schwul sein.