The Shield That I Carry im Shorts Programm 2 – Lebanon: Wild at Heart

© Leena Kwideer

Im Rahmen des Kurzfilmprogramms Lebanon: Wild at Heart wurde gestern der Film The Shield that I Carry von Regisseurin Basma Farhat gezeigt. Produzentin und Schwester der Regisseurin, Hiba Farhat, wohnte der Vorstellung bei. Der Film diskutiert die verschiedenen Meinungen der Familienmitglieder Basmas zum Tragen des Hijabs. Als sie bei einem Vorsprechen für eine Filmrolle ein Kopftuch tragen muss, entscheidet sie sich, dieses für eine Zeit weiter zu tragen, um zu sehen, wie sie sich fühlt. Viele Familienmitglieder sind überglücklich, Basma endlich mit Kopftuch zu sehen und ermutigen sie – sie selbst fühlt sich allerdings sichtlich unwohl. Anhand verschiedener, kurzer Interviews erfährt der Zuschauer, wie polarisierend diese Thematik sein kann.

© Leena Kwideer

Auf die Frage hin, wie die Idee des Filmes zustande gekommen sei, antwortet Farhat, dass ihre Schwester eigentlich nie einen Film über den Hijab habe drehen wollen. Erst nachdem sie die Reaktionen ihrer Familie über das Tragen des Hijabs erfahren habe, habe sie sich entschieden dies kinematographisch zu diskutieren. Interessant sei auch gewesen, dass die Mehrheit des Filmteams keinen muslimischen Hintergrund gehabt habe und die Familie das Team immer in ihre Diskussionen einbezogen habe.

© Leena Kwideer

Farhat betont, dass keine der Diskussionen im Film einem Skript gefolgt sei. Einzig die Fragen, die sie ihren Familienmitglieder zu Anfang stellten, seien vorher geplant gewesen um ein möglichst spannendes, kontroverses Gespräch zu generieren. In der gesamten Familie seien Basma und ihre Schwester die einzigen Frauen, die keinen Hijab trügen, weshalb es gewiss nicht schwer gewesen sei, ausschweifend über dieses Thema zu diskutieren.

© Leena Kwideer

Die Produzentin selbst wolle den Hijab nicht tragen, sei aber nicht gegen das Kopftuch per se. Für sie gäbe es andere, wichtigere Aspekte der Religion, auf die sie sich konzentrieren wolle. Hijab sei im Libanon vor allem abhängig von der jeweiligen Familie und habe weniger mit Stadtteil oder sozialem Status zu tun. Libanon sei dabei bezüglich unterschiedlicher Religionen ein vergleichsweise tolerantes Land. Freundschaften zwischen orthodox-religiösen Menschen und Atheisten seien im Libanon Gang und Gäbe.

© Leena Kwideer