Their Time Has Come: Representations of Masculinities in Arab Cinema – Ein Vortrag von Rasha Salti

Am Sonntag referierte Rasha Salti im Rahmen des Spotlights Reflections on Arab Masculinities zum Thema “Their Time Has Come: Representations of Masculinities in Arab Cinema.” Die zwischen Berlin und Beirut lebende Salti ist eine namhafte Kuratorin und Autorin, die unter anderem für das Haus der Kulturen der Welt in Berlin arbeitete.

In ihrer Recherche zur Vorbereitung auf den Vortrag habe sich Salti insbesondere auf Filme kapriziert, die nicht aus Ägypten stammen. Ägyptisches Kino sei bereits gründlich studiert worden – es bedürfe daher eher, Filme anderer arabischer Länder genauer zu betrachten. Zusätzlich habe sie Filme ausgewählt, die mit männlichen Stereotypen brechen und durch ihre Männlichkeitsrepräsentationen provozieren. Vier immer wiederkehrende Topoi habe Salti dabei eruieren können, die sie mit verschiedenen Filmbeispielen belegte.

Ein erstes klassisches im Film reproduziertes Bild des Mannes im arabischen Kino sei der politische/militärische Führer, der Befreier, General, Präsident oder König. Salti exemplifiziert dieses Motiv anhand des Films Stars in Broad Daylight von Osama Mohamed. Als einer der ersten Filme habe es der Regisseur gewagt, die Führungselite Syriens zu hinterfragen. Der Film sei allerdings bereits seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1988 verboten. Stars in Broad Daylight handele in Bezug auf Männlichkeitskonstruktionen von der Beziehung des Vaters zu seinen Söhnen und dessen Wunsch, die Söhne zu guten, richtigen Männern in seinem Sinne zu erziehen. Im Filmausschnitt, den Salti aufführte, sei das Mannsein vor allem mit dem Wunsch, ein guter Soldat zu werden, verbunden. In dieser Rubrik nannte Salti außerdem drei Filme, die die politische und militärische Führung in Marokko thematisierten – The End, Starve your Dog und Headbang Lullaby von Hisham Lasri. Salti konstatierte, dass der Arabische Frühling einen entscheidenden Wendepunkt dargestellt habe und die Ära der absoluten, uneingeschränkten Macht vieler Herrscher von 1970 bis 2011 abgeschlossen sei. Auch im Film habe dies nachhaltige Auswirkungen.

Ein zweiter Topos sei der des rechtschaffenen Bürgers, der stolz und aufrichtig handele. Ein Film, der dieses Motiv aufgreife, sei The Leopard von Nabil al-Maleh, der nebenbei angemerkt, einer der ersten Filme gewesen sei, der eine nackte Frau frontal gezeigt habe. The Leopard erzähle die Geschichte eines klassischen Robin Hood Charakters, der gegen die französischen Kolonialherren kämpfe und die Reichen ihres Besitzes bestehle. Der Protagonist unternehme dabei das richtige im Kampf gegen das System. Weitere Filme, die von aufrichtigen Helden erzählen sind Carnack von Aly Badrakhan oder The Man Who Was Watching Windows von Merzak Allouache. Dabei changiere die Person des rechtschaffenen Bürgers mit der jeweiligen gesellschaftspolitischen Situation. Derzeit seien vor allem junge, ambitionierte aber von der Arbeitslosigkeit und Stagnation frustrierte Männer im Film en vogue. Ein Beispiel hierzu ist der Film Death for Sale von Faouzi Ben Saidi aus dem Jahr 2011.

Eine gesonderte Betrachtung widmete Salti dem Motiv des Soldaten und des Krieges, da dies in arabischen Filmen häufig aufgegriffene Thematiken seien. Filme, bei denen Krieg und Soldatendasein mit der Darstellung von Maskulinität korrelieren, seien Little Wars (Maroun Baghdadi), Nights of the Jackass (Abdellatif Abdul Hamid), Sacrifice (Osama Mohamed), Wedding in Galilee (Michel Khleifi), Diary of a Male Whore (Tawfik Abu Wael) und Divine Intervention (Elia Suleiman).

Der letzte Topos, den Rasha Salti in ihrem Vortrag ausführte, ist der des männlichen Körpers, unterbewusster Begehren und Sexualität. Erwähnenswert sei hier der Film Man of Ashes von Nouri Bouzid, der das Thema des sexuellen Missbrauchs von Kindern sehr offen diskutiere. Auch die Problematik des Sextourismus greife Bouzid in einem seiner Filme, Bezness, auf. Weitere Filme, die zu dieser Kategorie zählten, seien Dreams oft he City (Mohammad Malas), My Wife and the Dog (Said Marzouk), Verbal Letters (Abdellatif Abdul-Hamid) und The Closed Doors (Atef Hetata). Eine begrüßenswerte Entwicklung sehe Salti in offenen Darstellungen von Homosexualität und des queerings des männliches Körpers. Homosexuelle seien zwar schon immer Bestandteil des arabischen Films gewesen, aber bisher immer in pejorativer Weise. Sie freue sich daher über Filme wie Cinema Fouad (Mohamed Soueid) oder Majnounak (Akram Zaatari), die beide auf dem diesjährigen ALFILM Festival gezeigt wurden. Erwähnenswert seien zudem The Sea is Behind (Hisham Lasri), Much loved (Nabil Ayouch) und Salvation Army (Abdalla Taia).

In ihrer Zusammenfassung hielt Salti abschließend fest, dass sich die im Film reproduzierten Bilder arabischer Männlichkeiten in einem irreversiblen Wandel befänden. Einen eklatanten Beitrag hierzu hätten die gesellschaftspolitischen Veränderungen seit 2011 geleistet.