Withered Green mit dem ägyptischen Regisseur Mohammed Hammad

Am Sonntagabend zeigte das ALFILM Festival den neuen Film Withered Green des jungen ägyptischen Regisseurs Mohammed Hammad. Hammad ist einer der aufstrebenden Filmschaffenden des ägyptischen Independent Kinos. Der Film hatte seine Premiere beim Locarno Festival und erhielt im Dezember 2016 beim Dubai Filmfestival einen Preis.

© Katja Volkenant

Nach dem Tod der Eltern lebt Iman mit ihrer jüngeren Schwester Nuha in einem tristen Apartment in Kairo. Die Atmosphäre, die der Film verbreitet ist, wie das Verhältnis der beiden Schwestern, sehr kühl. Der ruhige Film zeichnet den Alltag der melancholischen Iman, die gefangen ist zwischen den Pflichten als ältere Schwester und den Veränderungen ihres eigenen Körpers. Die jüngere Schwester Nuha steht kurz vor der Verlobung mit ihrem Geliebten, Amr. Doch die Tradition verlangt die Anwesenheit eines männlichen Verwandten beim Verlobungsritual. Da der Vater der beiden Schwestern verstarb und sie der übrigen Familie nicht sonderlich nahestehen, muss sich Iman Onkel Fathy vorsichtig annähern, um die Verlobung Nuhas nicht zu gefährden.

 

© Katja Volkenant

Withered Green lief beim ALFILM Festival nicht nur im Rahmen der Official Selection, sondern war ebenso Teil des Spotlights Reflections on Arab Masculinities. Aus diesem Grund interessierte Moderator Rabih El-Khoury vor allem die Idee, die hinter dem Film stecke. Hammad schilderte, dass er im Laufe der Zeit verschiedene Menschen kennengelernt habe, die alle einen gewissen, einzigartigen Charakterzug gehabt hätten. Er habe eine Person, später Iman, schaffen wollen, die all diese Charakterzüge in sich vereint. Es sei als Regisseur wichtig, so Hammad, vielen Menschen in verschiedenen Kontexten zu begegnen – je mehr Begegnungen, desto mehr Geschichten. Neben der Thematisierung des Konzeptes der Zeit habe Hammad verschiedene Symboliken und deren gesellschaftliche Bedeutung in den Film aufnehmen wollen. Er habe sich beispielsweise die Frage gestellt, welche symbolische Rolle der Onkel einnehme, beziehungsweise welche Symbolik ihm die Gesellschaft als Mann zuteile. Hammad habe sich zugegebenermaßen eher weniger für das Thema Gender interessiert. Er finde es sogar schwierig, den Film als feministisch zu rubrizieren. Dass die beiden Protagonistinnen Frauen sind, heiße nicht zugleich, dass der Film geschlechtsspezifische Themen aufgreife.

Die Hauptdarstellerin, die keine professionelle Schauspielerin gewesen sei, habe Hammad durch Zufall kennengelernt. Die Bankangestellte habe über einen Karrierewechsel nachgedacht und habe im Kunstbereich tätig werde wollen. Hammad habe sie in der Rolle der Iman gesehen und sie schließlich dazu überredet, beim Film mitzuspielen.

Abschließend sprach Hammad über seine Arbeit als Regisseur mit nur sehr begrenztem Budget. Er habe diesen Weg bewusst gewählt – Fonds empfinde er als kapitalistisch und einschränkend, was den gesamten Prozess des Filmedrehens betreffe. Er träume von Film als einer Kunst, wie sie zum Beispiel Straßenkünstler betreiben, unabhängig und in gewisser Weise anonym. Je kleiner das Budget dabei gewesen sei, desto mehr habe sich der Film an seine jeweilige persönliche Vision angenähert. Ein großes Budget hingegen beraube den Regisseur seiner Verve und seines Geistes.