Zum Dokumentarfilm von Viola Shafik beim Alfilm/Arabischen Filmfestival in Berlin, November 2011
Im altmodischsten Feuilletonistendeutsch frage ich den geneigten Leser, kennt er den Sarotti-Mohren überhaupt noch? Sarotti ist ein Schokoladenhersteller, der in den 50er Jahren noch mit einem kleinen schwarzen Mohrenkind mit weißem Turban und türkischen Pluderhosen für seine süßen Produkte warb. Und kennt der ebenso geneigte Chat-roomer heute noch das Wort „Mohr“? So wie es in dem Zitat vorkommt: „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.“ Dieses altmodische Wort ist nicht nur ein Überbleibsel aus unserer finstersten Kolonialzeit, nein, es geht zurück bis auf die Bibel und die Heiligen Drei Könige, von denen einer zumindest ein edler Mohr aus dem Morgenland war. Melchior, der den Weihrauch zur Krippe brachte, der erste „edle Wilde“ unserer Zeitgeschichte, der erste Drogenkurier der Neuzeit. Heute würden wir ihn als edlen Schwarzen bezeichnen, vielleicht noch als Farbigen oder Dunkelhäutigen, aber nicht mehr als Neger. Nein, Neger würden wir nicht sagen. Sagen ganz bestimmt nicht, aber vielleicht doch denken, obwohl wir das eigentlich gar nicht dürften. Aber unser abendländisches Hirn spielt uns da immer wieder so Streiche.