Where are you going, Moshé? / Où vas-tu Moshé?

SPOTLIGHT 2016
Cousins/Cousinen

Jüdisch-arabische Identitäten im postkolonialen kulturellen Diskurs

Regie: Hassan Benjelloun, Marokko/Kanada 2007, 90 Min., Arab. mit engl. UT

So 10.4. 14.00 fsk *
Mo 11.4. 19.00 Arsenal *

* Ist das Online-Kartenkontingent ausverkauft, besteht noch an der Kinokasse die Möglichkeit, Tickets zu erwerben.

Boujad, eine Kleinstadt im Atlas-Gebirge Marokkos, nicht lange nach der Unabhängigkeit des Landes 1956: mithilfe von zionistischen Agenten plant der Rabbi des Ortes heimlich die Abreise seiner Gemeinde nach Israel. Den erstarkenden muslimisch-konservativen Kräften des Ortes kommt das sehr gelegen. Ist kein nicht-Muslim mehr im Ort, muss laut Gesetz die einzige Bar schließen. Barbesitzer Mustapha (der 2008 verstorbene Kino-Veteran Abdelkader Lotfi) kämpft verzweifelt um den Erhalt seines Lebenswerkes und seiner Freunde. Sein Sohn Hassan hat daran ein besonderes Interesse, ist er doch in Rachel verliebt, die Tochter von Shlomo (Simon Elbaz), Uhrmacher und Musiker des kleinen Ortes. Mit Hassans Hilfe kann Mustapha Shlomo als einzigen Juden zum Bleiben bewegen – die Bar ist vorerst gerettet. Die bittersüße Komödie, zu der Benjelloun auch das Original-Drehbuch schrieb, versammelt eine Reihe illustrer Nebenfiguren, von starken Frauen, wie der resoluten Bardame Zaina, über den Transvestiten Sem bis zum Dorfidioten Berbeq’ha, der noch eine entscheidende Rolle spielt. In der Haltung seiner jüdischen und muslimischen Figuren zum Verlassen der Heimat spiegeln sich grundlegende Fragen nach Identität und Zugehörigkeit, aber auch dem Wesen des neu entstandenen Nationalstaates. Hauptdarsteller, Schauspieler und Musiker Simon Elbaz ist selbst in Boujad geboren und aktuell einer der wichtigsten Vertreter judeo-arabischer Musiktraditionen.